Das Spiel mit den guten Vorsätzen...

Alle Jahre wieder! Auch zum Jahresstart 2016 hat die Sport-, Gesundheits- und Ernährungsindustrie sich mit Sonderaktionen und attraktiven Angeboten wieder flächendeckend großzügig gezeigt, um Kunden einen guten und preiswerten Einstieg zum Erreichen ihrer Vorsätze und Ziele zu ermöglichen. Würde dieser Ansatz tatsächlich Menschen dabei helfen, ihre Ziele nachhaltig und stabil zu erreichen, müssten besagte Aktionen spätestens nach fünf Jahren völlig von der Bildfläche verschwinden, da ja dann wirklich jede/r in diesem Land in Puncto Körper und Gesundheit zufrieden dort stünde, wo er oder sie gerne stehen möchte. Dennoch hält sich das Konzept seit deutlich mehr als einem Jahrzehnt als Dauerbrenner in der Kundengewinnung, sprich, die Dauerschleife der Unzufriedenheit wird zyklisch und konstant aufrecht erhalten. Wie funktioniert dieser Mechanismus und was steckt dahinter?

Zunächst ein Blick darauf, was an diesem Ansatz wirklich gut ist: Hinter entsprechenden Angeboten stecken oft tatsächlich tolle Schnäppchen. Hier bitte gerne zugreifen, wenn es sich um einen Win-Win-Deal handelt. Das heißt, der Anbieter gewinnt Kunden und macht Umsatz, der Kunde kann sich im Gegenzug eine super Dienstleistung oder ein Produkt sehr preiswert sichern. Weiterhin gut an dem Konzept ist, dass die entsprechenden Angebote und Werbungen Menschen den Einstieg beim Erreichen ihrer Ziele erleichtern und auch einen klaren "Startschuss" setzen, denn irgendwo und irgendwann muss man schließlich anfangen und die ersten Schritte gehen, wenn man eine Veränderung möchte.

Ein guter Start auf dem Weg zu einem wünschenswerterem Ich ist damit also schon einmal getan. Wo liegen also am Wegrand die Stolpersteine? In den meisten Fällen steckt die Tücke des Ansatzes im Kopf, also in den bewussten oder auch unbewussten Annahmen und Strategien, die bei der Erreichung eines Zieles geformt werden.

Ich bin fest davon überzeugt, dass der Leser bzw. die Leserin, der/die diesen Beitrag gerade liest, zumindest ein grobe Vorstellung davon hat, WAS für das Erreichen bestimmter Ziele - sei es ein gesünderes Selbst, die Reduzierung von Körperfett, ein toller Strand-Look oder ein verbessertes allgemeines Wohlbefinden - notwendig ist. Meistens hat es etwas mit mehr Bewegung und einer gesünderen Ernährung zu tun. Ich traue der Leserschaft auch zu, den Nährwert-Unterschied von Pommes rot/weiß im Vergleich zu Putenfleisch mit Broccoli zu verstehen. Wie bleibt man also trotz dieses Wissens in der Unzufriedenheitsschleife stecken?

Ein großer Stolperstein ist die sogenannte Entweder-oder-Logik, also entweder ich ernähre mich gesund oder ungesund, entweder ich verhalte mich sehr sportlich oder unsportlich... Diese Herangehensweise verleitet zu einem extremeren Verhalten - beispielsweise in Form von strengen Diäten, mehr Sport als einem eigentlich lieb ist o.ä. -, und Extreme möchten langfristig durch das Gegen-Extrem ausgeglichen werden, zum Beispiel durch sehr faul, sehr ungesund, Zwangspause durch Verletzung oder anderes. Es geht um eine Balance, und so kommt jedes Extrem früher oder später zu einem "Ablaufdatum". Für manche funktioniert das Pendeln zwischen den Extremen gut, für viele aber auch nicht. Tritt das Gegen-Extrem dann irgendwann ein, entstehen bei der handelnden Person gerne Gedanken wie "wieder nicht geschafft", "ich kann es einfach nicht", also Unzufriedenheit und Verärgerung über sich selbst. Dies mündet dann wieder in einem "Diesmal aber wirklich!", und der gleiche Prozess beginnt von vorne. Dass diese Dynamik öfter in Jojo-Effekt als in nachhaltiger Zielerreichung und langfristiger Zufriedenheit endet, ist nachvollziehbar. Und so bleibt es für die Industrie alle Jahre wieder beim gleichen Werbeslogan. Hat auch seine Vorteile.

Bei Coachings in diesem Bereich besteht mein Arbeitsansatz darin, mit den Menschen die inneren Drehbücher individuell umzuschreiben, vielleicht das Entweder-Oder in ein Sowohl-als-auch zu verändern, die eigenen Motive und Wünsche klar und deutlich herauszuarbeiten (manchmal gibt es einen großen Unterschied zwischen dem, was ich wollen soll, und dem, was ich wirklich will), wegzukommen von einem Kampf gegen sich selbst hin zu einer guten Kooperation mit und für sich selbst, sich von der Verlockung schneller und einfacher Zauber-Erfolge nicht blenden zu lassen und - ganz wichtig - mit Spaß und einem guten Gefühl den eigenen Weg zu beschreiten. Zur Erreichung von Zielen braucht es manchmal einen langen Atem. Sich selbst als Freund und Kooperationspartner mit im Boot zu haben, ist daher sehr hilfreich.

Ansonsten erwarte ich auch in diesem Jahr wieder mit Spannung, welche Wege uns in 2016 zu einem perfekten Beach Body verhelfen werden. Jeder davon kann der passende sein, die Frage ist, welcher ist der passende für Dich?


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