Coaches & Teams - Ein Interview mit Sabine Missbach

Sabine Missbach ist Vereinspräsidentin des Stuttgarter Rugby Club e.V. (SRC) und seit August 2015 Trainerin des Damen-Teams. Die Mannschaft konnte kürzlich die Saison 2015/16 auf einem guten 7. Platz bei den deutschen Meisterschaften im 7er Rugby abschließen. Dieser Erfolg soll in der kommenden Saison weiter ausgebaut werden.

Sabine, vor knapp einem Jahr hast Du bei den Damen des SRC den Trainerposten übernommen. Was waren für Dich in den ersten Monaten die größten Herausforderungen?

Zunächst war die größte Herausforderung für mich ein Team zu trainieren, mit dem ich in der Saison davor selbst noch gespielt habe. Die Umstellung von "ich geh ins Training und mach was der Coach mir sagt" zu "ich geh zum Training und sage dem Team was zu tun ist" war riesig. Anfangs war natürlich auch für mich die Frage, ob mich das Team als Trainerin akzeptiert und meine Vorstellungen teilt. Auch wenn ich zuvor selbst schon als „Sturm-Führerin“ den Sturm im Spiel angeleitet habe, ist es doch was anderes für das ganze Team, deren Spielvariationen und Taktik verantwortlichen zu sein – erst recht im 7er-Rugby.

Hinzu kam, dass wir durch eine Kooperation mit der Universität Stuttgart einige Anfängerinnen ins Team bekommen haben. So war auch eine Herausforderung, alle Spielerinnen des Teams zu fördern und zu fordern, so dass für alle eine Leistungssteigerung möglich ist und sich einzelne Gruppen nicht unter- oder überfordert fühlen.

Relativ bald hast Du dann bei mir angefragt, ob ich als Mentaltrainerin mit der Mannschaft arbeiten könne. Aufgrund meiner Nähe zum Verein hat mich die Anfrage zugegebenermaßen etwas überrascht. Ich war gerade in Babypause und hatte vor, als Spielerin mein Comeback zurück ins Team zu schaffen. Wie kam es bei Dir zu dieser Entscheidung?

Zum Teamsport gehört für mich einfach mehr dazu als „nur“ zusammen auf dem Platz Rugby zu spielen. Mit der richtigen Motivation und Einstellung ist einfach mehr zu erreichen. Ich wusste von anderen (Top-) Teams, dass sie mit einem Sportpsychologen und Mentaltrainern zusammenarbeiten und da kam ich auf Dich als gute Freundin, Team-Mitglied, Rugby-Liebhaberin und Sportpsychologin. Zumal ich Dich gut genug kenne und wusste, dass auch Du mehr erreichen willst, voll motiviert bist und einen guten Draht zum Team hast. Darum habe ich gefragt, ob Du Dir das vorstellen könntest. Und lange gezögert hast Du nicht…

Ja, das stimmt. In der Winterpause haben wir dann mit den Mental-Einheiten sowohl für die Spielerinnen als auch für Dich als Coach begonnen. Welche Veränderungen und Entwicklungen hast Du von Januar bis jetzt wahrgenommen? Beim Team und bei Dir als Trainerin…

Das Team im Gesamten ist mental stärker geworden, hält noch mehr zusammen und die einzelnen Spielerinnen trauen sich mehr zu. Deutlich wurde das u.a. beim ersten Spiel des Finalturniers gegen die Heimmannschaft aus Berlin als das Team mit 2 (oder 3) Versuchen zurücklag und sich dann noch bis auf 3 Punkte rangekämpft hat. Die Einstellung des Teams ist durchweg positiver und motivierter, jeder gibt immer alles für alle – das ist sehr schön anzusehen.

Super war auch, dass z.B. verletzte Spielerinnen beim Training dabei sein wollten, um nichts zu verpassen, gerade auch in der Vorbereitungszeit aufs Finalturnier. Wenn man eine Verletzung durchmacht und sich damit vielleicht die Chancen auf eine Nominierung verringern, ist eine positive Einstellung enorm wichtig. Da warst Du den Spielerinnen eine große Stütze.

Ich selbst habe mich dahingehend verändert, dass ich meine Trainingseinheiten durchweg positiv formuliere und gezielt den Fokus auf das setze, was ich vom Team sehen will. Die positiven Rückmeldungen des Teams bestärken mich darin, der Mannschaft und mir mehr zuzutrauen.

Gab es etwas, was Dich überrascht hat?

Ja, klar! Ich hätte nie gedacht, dass ich das Unterbewusstsein der Spielerinnen damit erreiche, dass ich meine Trainingsforderungen positiv formuliere und deutlich sage, was ich sehen möchte anstatt immer erst einmal das anzumerken was ich nicht sehen will bzw. zuvor vielleicht falsch gemacht wurde. Den Fokus in Trainingseinheiten auf 2-3 Punkte zu reduzieren war nicht immer einfach, aber es hat in den Übungen sofort Wirkung gezeigt.

Was war für Dich als Trainerin besonders hilfreich?

Unsere „coach the Coach“-Einheiten im Gesamten. Sich seiner selbst bewusst zu sein bzw. zu werden war für mich zunächst schwerer als es klingt. Ich lese mir meine Notizen aus unseren Sitzungen daher immer wieder mal durch, so dass die Dinge zur Routine werden und ich gar nicht mehr drüber nachdenken muss.

Die aktuelle Saison ist nun abgeschlossen. Wie geht es weiter, was ist geplant?

Luft nach oben gibt es immer. Ich weiß, dass das Team noch mehr erreichen kann. Der Grundstein ist gelegt und ein Spielsystem steht. Darauf gilt es in der nächsten Saison aufzubauen. Ich glaube, das sieht auch die Mannschaft so und hat richtig Lust drauf weiterzumachen. Zunächst gilt es aber erst einmal, ein bisschen Spaß bei Turnieren zu haben und die Einheiten in der Sommerpause zu planen. Details dazu werden noch festgelegt.

Vielen Dank für dieses Interview !

Gerne !


Aktuelle Beiträge
Archiv
Follow me
  • Facebook Basic Square

© 2018 by Katharina Zollinger                                                                                           

Impressum